Entries from November 2014

Christstollen mit Cranberries

2014/11/28

Hand hoch wer keine Rosinen mag! Vor meinem imaginären Auge sehe ich jetzt ungefähr ein halbes Klassenzimmer mit erhobenen Händen, denn ich habe das Gefühl, dass 50 % der Menschen in meinem Alter keine Rosinen mögen. Es heißt, dass man sich mit dem Älterwerden an vieles gewöhnt. So esse ich mittlerweile Dinge, die ich früher nicht mal angeschaut hätte. Rosenkohl (der Klassiker), Pilze oder auch Käse um mal einige Beispiele zu nennen.

Mit den Rosinen ist das noch so eine Sache. Früher war ich bitter enttäuscht wenn ein bestellter, heiß ersehnter Apfelstrudel zu 80% aus Rosinen bestand oder sich der leckere Kuchen vom Bäcker als Rosinenbombe entpuppt hat. Mittlerweile esse ich die runzeligen Dinger mal ganz gerne, dann aber in Maßen. Ein paar Rosinen am Müsli, einige im Hefebrötchen und ja, auch im Stollen dürfen sich Rosinen verstecken.

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stollen 1 [/one_half][one_half] stollen2 [/one_half][/row_fluid]Moment mal! Was heißt hier „dürfen“ werden sich jetzt Einige fragen. An einen echten Stollen gehören nicht nur ein paar, sondern sogar eine ganze Menge Rosinen. Das stimmt! Und dazu kommen dann noch Massen an kandierten Orangen und Zitronen, ach ja und Rum. Alles Sachen auf die ich nicht wirklich fliege und das ist dann wohl auch der Grund, warum ich als Kind kein großer Freund vom Christstollen war. Und das habe ich ganz ohne psychologische Hilfe herausgefunden.

Meine Beziehung zum Stollen ist nämlich etwas gespalten. Ich mag die Tradition, die dahinter steckt, immerhin wurde der erste Stollen namentlich schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Prinzipiell schmeckt mir so ein Stollen ja auch aber ich finde, dass in gängigen Supermärkten oft trockene Vierkanthölzer verkauft werden, welche die Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hätten.

stollen3

Grund genug meinen eigenen Stollen zu basteln. Aus einem alten Kochbuch diente mir ein noch älteres Stollenrezept als Basis. Ich habe die Rosinenmenge auf ein Minimum reduziert und statt dem kandierten Obst sorgen getrocknete Cranberries für einen leicht säuerlichen Geschmacksausgleich.

Cranberrystollen (ergibt 2 kleine oder einen Monsterstollen, wie ich nach dem Backen erschrocken feststellen musste)

  • 500 g Mehl
  • 1 Würfel Frischhefe
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 TL geriebene Orangenschale (Bio)
  • 180 ml Milch, lauwarm
  • 230 g Butter, sehr weich
  • 160 g Zucker
  • 100 g Cranberries
  • 40 g Rosinen
  • etwas Rum
  • etwa 30 g Butter zum Bestreichen des Stollens
  • Puderzucker

Die Rosinen am Vorabend in soviel Rum einweichen, dass sie gerade bedeckt sind. Über Nacht durchziehen lassen.

Am nächsten Tag das Mehl in eine große Schüssel sieben und in die Mitte eine Kuhle drücken. Die Milch erwärmen bis sie lauwarm ist und die Hefe darin unter Rühren auflösen. Die Hefemilch vorsichtig in die die Mehlkuhle gießen und mit etwas Mehl vom Rand bedecken. Diesen Vorteig nun 45 Minuten gehen lassen.

Salz, Orangenschale, Zucker und Butter dazugeben und mit den Finger verrühren bis keine Mehlklumpen mehr zu erkenne sind. Den Teig nun 3-5 Minuten durchkneten. Abgedeckt etwa 45 Minuten gehen lassen. Ziel ist es, dass der Teig „anspringt“, vor dem Weiterarbeiten sollte eine Volumenvergrößerung sichtbar sein.

Nun das Trockenobst vorsichtig in den Teig einarbeiten bis es gleichmäßig verteilt ist. Hierbei nur ganz vorsichtig kneten, damit die Rosinen nicht zerplatzen und den Teig verfärben. Nochmal abgedeckt gehen lassen bis der Teig wieder deutlich an Volumen zugenommen hat. Bei mir hat es 1,5 Stunden gedauert ist aber abhängig von der Raumtemperatur.

Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen (Umluft ist hier nicht empfehlenswert). Den Stollen länglich ausrollen (wer will teilt ihn jetzt in zwei Hälften) und eventuell einmal zum Drittel länglich einschlagen (muss aber nicht sein). Den Stollen vorsichtig auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und etwa 30 Minuten (2 kleine Stollen) bis 40-45 Minuten (Monsterstollen) backen bis die Oberfläche goldbraun leuchtet.

Kurz vor Ende der Backzeit Butter in einem kleinen Topf schmelzen. Der Stollen sollte mit mehreren Schichten Butter bepinselt und dick mit Puderzucker bestreut werden solange er noch heiß ist.

Vor dem Essen den Stollen abkühlen lassen.

Habt einen schönen ersten Advent. Ich verbringe ihn an der Ostsee!

Toscakaka- Schwedischer Biskuitkuchen mit Mandel- und Kokoskrokant

2014/11/21

Schweden. Für mich sind das weite Wälder mit wenigen Menschen, kalte Seen, lange Winter, viel Natur aber auch moderne Städte mit weltoffenen Bewohnern. Ich weiß nicht so genau, was mich an der skandinavischen Lebensweise, denn auch Dänemark und Norwegen versetzen mich in Schwärmereien, so anspricht. Vielleicht ist es die „nordische Mentalität“. Kühl, distanziert aber dann sehr freundlich und hilfsbereit. Außerdem wissen die Skandinavier wie man gut isst. Es gibt eine Menge Köstlichkeiten, die ihren Ursprung in Skandinavien haben. Kanelbullar (Zimtschnecken), Lussekatter (Saffran Hefeteilchen) oder schwedischer Apfelkuchen sind nur ein paar Beispiele.

 

Glücklicherweise bin ich nicht allein mit meiner Skandi-Liebe, auch Natalie vom Holunderweg 18 freut sich über nordische Leckereien. Deshalb hat sie auch zum „Fika Blogevent“ aufgerufen. Eine Fika, das wusste ich auch nicht, ist eine schwedische Tradition in der Art von unserem Sonntagskaffee. Der entscheidende Unterschied ist, dass es so einer Fika herzlich egal ist um welchen Wochentag es sich handelt, schließlich kann man auch unter der Woche gut Kaffee und Kuchen zusammen genießen.

Ich habe mich für einen schwedischen Krokantkuchen entschieden, der dort unter dem Namen „Toscakaka“ bekannt ist. Es ist wirklich einer der fluffigsten Kuchen, die ich jemals gegessen habe. Der Biskuitteig wird durch die Buttermilch richtig schön luftig und weich. Noch dazu ist er mit einer dicken, gebräunten Krokantschicht aus Mandeln und Kokosraspeln bedeckt, die richtig schön knackt, wenn man mit der Gabel durchsticht. In Schweden selbst macht man das Krokant nur mit Mandeln aber ich fand die Mischung mit Kokosraspeln noch interessanter.

toscakaka krokantkuchen 2

schweden 3

toscakaka krokantkuchen5

 (mitte: Frühling in Südschweden)

(Mal wieder) nach einem Rezept aus dem Buch „Scandilicious Baking“ von Signe Johansen

Teig:

  • 3 Eier
  • 125 g Zucker
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 150 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1/2 TL Feines Meersalz
  • 75 g Butter, zerlassen
  • 75 ml Buttermilch

Krokant:

  • 125 g Butter
  • 125 g Muscovado Zucker
  • 75 g gehobelte Mandeln
  • 75 g Kokosflocken
  • 50 ml Milch
  • 1 TL Feines Meersalz
  • 1/2 TL Vanilleextrakt

Ofen auf 170 Grad (150 Grad Umluft) vorheizen und eine Springform (23 cm) fetten.

Eier, Zucker und Vanilleextrakt in einer großen Schüssel zu einer hellen, schaumigen Masse schlagen. In einer kleineren Schale das Mehl, Backpulver und Salz mischen. Abwechselnd die zerlassene Butter, die Buttermilch und die trockenen Zutaten zu der Eiermasse geben und mit einem Löffel unterheben, bis ein homogener Teig entsteht.

Den Teig in die vorbereitete Springform füllen und vorsichtig glatt streichen (bzw. die Form kurz auf die Arbeitsfläche schlagen). 25-30 auf der mittleren Schiene backen bis der Kuchen hellbraun und noch etwas weich ist.

Das Krokant sollte nach der halben Backzeit vorbereitet werden, damit es rechtzeitig fertig ist. Dazu alle Zutaten in einen mittelgroßen Topf geben und unter ständigem Rühren langsam auf niedriger bis mittlerer Hitze erwärmen. Die Masse 3-4 Minuten köcheln lassen, damit sie etwas eindickt.

Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, anschließend die Temperatur auf 220 Grad (Umluft 200 Grad) erhöhen. Die weiche Krokantmasse nun über den Kuchen geben und evtl. vorsichtig glatt streichen, dann den Kuchen zurück in den Ofen geben. Auf der oberen Schiene den Kuchen nun 10 Minuten fertig backen bis das Krokant knusprig und gebräunt ist.

Den Kuchen etwas abkühlen lassen, dann ein Messer vorsichtig zwischen Krokantrand und Kuchenform entlangfahren damit es nicht festklebt. Ganz vorsichtig den Kuchen aus der Form lösen und auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen.

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Zwischen Wutanfall und Tiefenentspannung: Das Sauerteigbrot

2014/11/20

Das Brot ist gut, wenn die Krume locker ist und löchrig wie ein Schweizer Käse. Die Kruste soll kräftig gebräunt sein. Beim Einschneiden gibt sie einen knuspriges Knacken von sich. Es ist nicht leicht das perfekte Sauerteigbrot zu backen, dafür ist der Sauerteig viel zu launisch und sensibel – ein wildes Tier, das gezähmt werden will. Ich habe vier Anläufe gebraucht um ein halbwegs anständiges Sauerteigbrot zu backen.

Ich bin ja nicht wählerisch aber mein lieber Freund hat sich erst mit viel gutem Zureden getraut mein viertes Brot zu probieren. Und er lag richtig, alles davor war Schrott. Und doch habe ich mir die misslungenen Brote runter gequält, denn ich konnte es nicht über mich bringen stundenlange Arbeit und Herzblut einfach in den Müll zu werfen.

 

Ein trauriger Klumpen Brot

Mein allererster Versuch war wohl der Schlimmste. Eine Woche zuvor hatte ich liebevoll einen Sauerteigansatz aus Roggenmehl gezüchtet, die logische Folge war dann also ein solides Mischbrot zu backen. Hätte ich gewusst, dass die Kombination Roggenmehl und Wasser klebt wie Tapetenkleister hätte ich mich anders entschieden. Nach einer Viertelstunde Wrestling mit dem Brotteig, die Küche sah aus wie ein Schweinestall, habe ich die Masse mit letzter Kraft zu einem zähen Kloß geformt. Als es Zeit war ihn in den Ofen zu schieben blieb die Hälfte in der Schüssel hängen. Zu allem Überfluss ging das Brot beim Backen kaum auf, sondern lief stattdessen platt wie ein trauriges Fladenbrot. Ich habe zwei Tage gebraucht bis ich die getrockneten Teigreste von meinen Händen und Armen los wurde.

Auch die anderen Brote, diesmal ausschließlich aus Weizenmehl waren Problemkinder. Dann bin ich auf dieses Rezept vom Plötzblog (s.u.) gestoßen und plötzlich lag da ein richtig gutes Brot auf meinem Tisch! Das erste gelungene Brot wurde gefeiert als ob es gerade sprechen gelernt hätte. Ich konnte nicht aufhören Butter und Salz darauf zu schmieren. Ich beschloss vorerst bei dem Rezept zu bleiben und die folgenden Brote wurden tatsächlich immer besser.

 

Ein Sauerteigbrot schmeckt mit seiner wilden Hefe und milden Säure nochmal ganz anders als es ein einfaches Hefebrot jemals könnte. Außerdem ist so ein Brot länger haltbar. Ich kann jedem, der regelmäßig Brot backt/ backen möchte, empfehlen einen Sauerteig anzusetzen. Man muss am Ende gar nicht ausschließlich mit Sauerteig backen, sondern kann diesen mit herkömmlicher Hefe kombinieren. Dann läuft man weniger Gefahr, dass das Brot nicht aufgeht und hat trotzdem das unvergleichliche Sauerteigaroma.

tartine country loaf #1

Hilfreiche Links/Bücher:

1. Wie man einen Sauerteigansatz herstellt:

  • Sauerteigansatz nach Pöt aus dem Sauerteigforum
  • etwas aufwändiger und in englisch (grob nach Chad Robertson a.k.a der Brotguru, ich persönlich wäre aber nicht ganz so pingelig mit den Mengenangaben auf ein paar Gramm mehr oder weniger kommt es beim Sauerteig züchten dann auch nicht an)

2. Rezepte, Tipps und hilfreiche Links

  • Plötzblog: endlose Rezepte, viele FAQ’s zum Brotbacken, hat auf jede Frage eine hilfreiche Antwort!
  • Sauerteigforum + dazugehöriges e-book für nur 3 Euro: für mich der perfekte Einstieg in’s Backen mit Sauerteig, im Buch werden ganz grundsätzliche Dinge erklärt, es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen und am Ende auch einige Rezepte
  • Wild Yeast Blog (engl.): ebenfalls riesige Rezeptsammlung und Tipps zum Brotbacken
  • The rise and rise of sourdough bread (engl.): Eine Geschichtsstunde des Brotbackens. Ein unterhaltsamer Artikel, der nicht nur die Herkunft, sondern auch die Vorteile von Sauerteig erläutert. (klingt jetzt irgendwie lahm aber der Artikel ist wirklich gut.)

3. Bücher

  • Brot von Bernd Armbrust: Hier findet man viele interessante bis außergewöhnliche Brotrezepte, von denen die meisten aus einer Kombination von Sauerteig und Hefe gebacken werden. Es handelt sich um ein reines Rezeptbuch, lediglich am Anfang werden kurz die Grundlagen zu verschiedenen Getreidesorten, Hefeteig und Sauerteig sowie dessen Herstellung erklärt.
  • Der Sauerteig – das unbekannt Wesen: Komischer Name aber hilfreiches Buch zum Thema Sauerteig zu einem unfassbar günstigen Preis.
  • Tartine Bread von Chad Robertson: Ein Buch über das berühmteste Brot San Fransiscos. Hier geht es auch um die Brotphilosophie und es wird beschrieben wie man das „Tartine Bread“, berühmt durch seine milde Säure und extrem großporige Krume, auch zuhause hinbekommen kann. Momentan kostet das ebook bei amazon nur 2,49€ (warum eigentlich?)

Schokoladenkuchen mit Orangenmarmelade

2014/11/17

Ja es gibt sie, die Weihnachtsbaumdecke. Vor einiger Zeit ist ein schmucker H&M Home Katalog eingetrudelt auf dem in großen, weißen Lettern Weihnachten prangt. Innen drin finden sich viele makellos arrangierte Festtafeln, Kerzenlicht strahlt mit güldenen Paillettenkissen um die Wette, unter der stattlichen Nordmanntanne  liegt ausgebreitet wie eine Diva die Weihnachtsbaumdecke.

Es ist also soweit. Schon wieder fast zwölf Monate rum denkt man sich. Wieder ein Jahr älter. Wieder Hoffen darauf die schlechte Angewohnheit Weihnachtsgeschenke erst am 23.12 zu besorgen ablegen zu können. Überhaupt ein letzter Monat für schlechte Angewohnheiten, werden diese mit dem neuen Jahr abgeschafft, nur um sich wenige Wochen wieder klammheimlich anzuschleichen. Ab Januar geht’s dann selbstverständlich regelmäßig sporteln! Echt jetzt.

Bis dahin darf ich aber noch fleissig Kuchen essen. Zum Beispiel den saftigen Schokoladenkuchen mit Orangenmarmelade, den es hier Sonntag gab. Obwohl keine weihnachtlichen Gewürze selbst den Kuchen verfeinern, ruft er schon ganz leise nach dem Advent mit seinem feinherben Aroma.

schoko orangen kuchen 3 klein

schoko orangen kuchen 2 kleinFrei nach einem Rezept aus dem Buch „Scandilicious Baking“ von Signe Johansen, für eine Kastenform

  • 200 g Mehl
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • 2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
  • 50 g Kakao
  • 100 ml heißes Wasser
  • 2 EL Espresso oder starker Kaffee
  • 2 Eier
  • 100 g flüssiger Honig
  • 75 g brauner Zucker (wer den Kuchen nicht ganz so herb mag nimmt 25-50 g mehr)
  • 50 g saure Sahne oder Joghurt
  • 75 g Butter
  • 100 g Orangenmarmelade
  • Saft einer kleinen Orange
  • 50 g Orangen- oder Aprikosenmarmelade* für die Glasur

Den Ofen auf 180 Grad (160 Grad Umluft) vorheizen und eine Kastenform fetten oder mit Backpapier auslegen.

In einer großen Schüssel Mehl, gemahlene Mandeln, Backpulver und Salz gut mischen. In einer kleineren Schüssel Eier, Honig, Zucker und sauere Sahne schaumig schlagen. Kakao in eine Tasse mit dem kochenden Wasser aufgießen, den Kaffee/Espresso hinzufügen und gut durchrühren. In einer weiteren Schüssel die Orangenmarmelade mit dem Orangensaft verrühren. Butter zerlassen (Mikrowelle oder Herd).

Alle flüssigen Zutaten nun zu der Mehlmischung geben und mit dem Handmixer gut verrühren. Den Teig in die vorbereitete Kastenform füllen und im vorgeheizten Ofen 30-40 Minuten backen. Nach 30 Minuten sollte eine Stäbchenprobe** gemacht werden, um zu schauen ob der  Kuchen innen schon fest ist.

Nach dem Backen den Kuchen etwa 20 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann vorsichtig herausnehmen und auf einem Kuchengitter komplett auskühlen lassen. Mit dem Ende eines sauberen Stifts mehrere Löcher von oben nach unten in den Kuchen stechen aber nicht bis ganz auf den Boden. Für die Glasur die Marmelade in der Mikrowelle kurz warm machen und auf dem Kuchen verteilen. Die Glasur etwas verstreichen, damit ein Teil davon die Löcher hinunterläuft. Den Rest der Glasur auf dem Kuchen verteilen.

Der Schokokuchen hält sich, gut verschlossen, etwa 2-3 Tage.

* Durch die Glasur mit Orangenmarmelade wird der Kuchen ziemlich herb. Möchte man den Schokokuchen eher mild und süß nimmt man besser Aprikosenmarmelade und evtl 25-50 g mehr Zucker im Kuchen selbst.

** Für die Stäbchenprobe einen dünnen Metallstab (ein schmales, spitzes Messer geht auch) vorsichtig in die Mitte des Kuchens stechen. Haften beim Rausziehen flüssige Teigreste daran, ist der Kuchen noch nicht fertig.

Herbstliche Minestrone

2014/11/14

Wenn man nachmittags um drei im schummrigen Kerzenlicht am Schreibtisch sitzt. Wenn das Beste am Tag ein frisch aufgebrühter (Chai-)Tee ist. Wenn das sich das Abendgefühl anschleicht ohne dass man je wirklich wach war, dann ist November. Viele Menschen mögen den November nicht und träumen  davon weit weg in den Süden zu fliegen wie Zugvögel, immer da wo es warm ist und genug zu essen gibt. Ich bin ein Winterschläfer, der einfach da bleibt und sich voller Phlegma in seine abgedunkelte Höhle kuschelt.

november afternoon smallWinterschläfer essen sich im Herbst nochmal so richtig satt. Ich koche einmal wöchentlich einfach ganz viel von etwas, packe die Überbleibsel in den Kühlschrank und ernähre mich den Rest der Woche davon. Besonders gut geht das mit Eintöpfen und Suppen. Das ist auch der Grund, dass ihr für diese Minestrone mit Kürbis und Wurzelgemüse unbedingt euren größten Topf nehmen und etwas Platz im Kühlschrank freischaufeln solltet. Ich behaupte sogar dass  Minestrone am zweiten oder selbst am dritten Tag noch besser schmeckt als taufrisch zubereitet. Sind alle Aromen so richtig durchgezogen gibt es kaum etwas herzerwärmenderes als eine gehaltvolle Suppe. Es lohnt sich also gleich zwei oder drei Liter zu machen.

Die Mengenangaben sind dabei viel mehr als grobe Richtlinien, als exakte Anweisungen zu betrachten. Ihr könnt Steckrüben nicht ausstehen? Dann lasst sie weg, nehmt mehr Möhren oder fügt ein ganz andere Gemüse (Champignons, Süßkartoffeln oder Porree) hinzu. Die Minestrone ist eine saisonal wechselnde Wundertüte und damit außergewöhnlich vielseitig.

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Herbstliche Minestrone, frei interpretiert nach einem Rezept von M.F.K Fisher aus dem Buch How To Cook A Wolf

  • 2 EL Öl
  • 1 kleine gehackte Zwiebel
  • 1-2 Knoblauchzehen, gepresst
  • 1 Stange Sellerie, geputzt und klein geschnitten
  • 1 Dose gehackte Tomaten
  • 1 Handvoll gehackte Petersilie (wer möchte nimmt zusätzlich noch etwas Basilikum und/oder Oregano)
  • 2 Kartoffeln
  • 3 Möhren
  • 1/2 mittelgroßen Kürbis (z.B. Hokkaido oder Muskat)
  • 1/2 Steckrübe
  • 2-3 l Gemüsebrühe (bzw. 2-3 l Wasser + 2-3 EL Gemüsebrühe in Pulverform)
  • etwas geriebene Muskatnuss
  • Salz, Pfeffer
  • Suppennudeln (z.B. Muschelnudeln, auch Bandnudeln passen gut)
  • geriebener italienischer Hartkäse (z.B. Parmesan)

Die Zwiebel im Öl anschwitzen, bis sie gläsern werden. Knoblauch, Sellerie und Petersilie dazugeben und einige Minuten unter Rühren dünsten, wenn nötig etwas Wasser zugeben, damit nichts anbrennt. Die gehackten Tomaten und 2 -3l Gemüsebrühe sowie Salz und Pfeffer dazugeben und gut durchrühren.

Das restliche Gemüse ggf. schälen, klein schneiden und an die Suppe geben. Alles etwa 20-30 Minuten auf kleinster Flamme und mit geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis das Gemüse zart wird. Nach Wunsch die Suppe etwas anpürieren und dann abschmecken.

Sofern ihr nicht eine große hungrige Meute zuhause habt und die Minestrone mehrfach erwärmen wollt, empfehle ich die Nudeln extra zu kochen und immer bei Bedarf an die Suppe zu geben.  Direkt vor dem Servieren gehört noch eine großzügige Portion geriebener Hartkäse an die Minestrone, damit sie schön sämig wird.

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Kokos-Hafer-Plätzchen |Coconut Oatmeal Cookies

2014/11/05

Ein Keksrezept. Ohne große Worte, einfach mal so in den Mittwoch Mittag geschmissen. Schnell gemacht, knusprig und wunderbar kokosnussig denn manchmal braucht man einfach einen Keks.

coconut oat cookies

Zutaten:

  • 70 g Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 100 g Haferflocken
  • Prise Salz
  • 80 g Kokosöl (gibt’s im DM)
  • 70 g Zucker
  • 2 EL Kokosmilch oder andere Milch, die ihr zur Hand habt
  • Mark einer 1/4 Vanilleschote
  • 2-3 EL Kokosraspeln

Zubereitung:

  1. Mehl, Backpulver, Haferflocken und Salz in einer Schüssel gut durchmischen
  2. Auf dem Herd oder in der Mikrowelle Kokosöl mit dem Zucker erhitzen, dabei ab und zu umrühren. Zusammen mit den restlichen Zutaten zum Mehl geben und gründlich durchrühren.
  3. Mit dem EL Teigportionen abstechen und mit genügend Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad backen.

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Über tote Omas, falsches Schnitzel und ein Rezept für Papageienkuchen

2014/11/02

Der Mann ist aus dem Haus. Also veranstalte ich einen richtigen Mädelsabend mit mir selbst und halbsitze halbliege in meinen besten Freizeitklamotten breitbeinig auf der Couch. Auf meinem Schoß ruht ein schmuddeliges Laptop Tablett von Ikea, das als Tischersatz dient. Es ist beladen mit einem Teller Spirelli Nudeln, der überquillt wie meine Bauchspeckrolle über den Hosenbund wenn ich mich nach vorne lehne. Im TV läuft nebenbei die 2. (lahme) Runde des DFB-Pokals, irgendjemand muss mich ja unterhalten. Ein Fest also.

Um dem Anlass gerecht zu werden habe ich mir die Spirelli mit einer dieser überteuerten Nudelsaucen aus dem Glas serviert, Bertolli oder Barilla. Beim Essen denke ich, irgendwie passen diese Spirellinudeln, die neben Gabelspaghetti hauptsächlich in Großraumkantinen anzutreffen sind, nicht zu dieser ausgeklügelten Tomaten-Ricotta-Sauce, die sicher dazu gedacht ist mit entsprechend teurer Pasta vom jeweiligen Nudelhersteller serviert zu werden. Stattdessen teilt sie sich nun einen Teller mit Nudeln von K-Classic.

Spirelli verlangen nach etwas Simplen. Zum Beispiel mit Zwiebeln und Ketchup angebraten zu werden- ein beliebtes Studentenessen. Mir kam dann auch gleich die Sauce in den Sinn, die es früher zu post-DDR-Zeiten in der Schulküche gab. Eher wässrig, sehr tomatig und ganz ohne Schnickschnack wie Kräuter. Das Schmuckstück der Sauce aber waren die Wurststückchen oder gerne auch zwei Jägerschnitzel. Hier muss angemerkt werden, dass mit Jägerschnitzel nicht etwa ein delikat gebratenes Kalbs- oder Schweineschnitzel gemeint ist, sondern schlicht und einfach eine dicke Scheibe Jagdwuschst oder Bierschinken. Diese wurde paniert und anschließend gebraten, sah also aus wie ein Schnitzel nur ein bisschen flacher. Ein Gericht also das so raffiniert ist wie ein Hund der versucht seinen Schwanz zu fangen. Aber es war lecker. So lecker, dass der Satz „bitte mit extra viel Sauce“ zu meinem kulinarischen Leitmotiv wurde, denn ich mag es immer noch meine Beilagen in Sauce zu ertränken.

Mein bester Freund an diesem Abend, das Internet hat dann nach kurzer Suche auch ein passendes Rezept präsentiert, das ganz nach der Sauce klingt, wie ich sie in Erinnerung habe. Butter, Mehl, Tomatenmark, Ketchup. Wir hatten ja nüscht. Zugegeben von der DDR habe ich zumindest aktiv nicht mehr all zuviel, eigentlich gar nichts, mitbekommen. Aber an die Neunziger, die Nachwehen der DDR, kann ich mich noch gut erinnern. Zum Beispiel an unseren beigen Trabi, mit dem wir durch die Stadt geknattert sind, an die matt-geblümten DDR Tapten, die unseren Kindergarten verschönert haben und eben bestimmte Gerichte. Neben den Nudeln mit Jägerschnitzel gab es da auch gefürchtete Tage in Kindergarten und Grundschule an denen uns tote Oma (klickt da lieber nicht drauf, selbst ich möchte nicht wissen, woraus tote Oma besteht) aufgetischt wurde. Die Kartoffeln haben’s erträglicher gemacht. Hingegen ein Dauerbrenner bei mir, auch heute noch, ist meine innig geliebte Soljanka! Was für eine wunderbare Form der Resteverwertung. Aber auch an Kuchen hat es nicht gefehlt. Da wäre zum Beispiel der Papageienkuchen, der bei Kindergeburtstagen immer die Runde gemacht hat. Auch er glänzt nicht durch ausgeklügelte Aromakombinationen sondern durch seine schöne Schlichtheit. Rührteig, der durch Pudding- oder Grützepulver (von Komet) seine eigenwillige Farb- und Geschmackskombination erhält – das ist Papageienkuchen.

papageienkuchen 4[row_fluid][one_half] papageienkuchen 5 [/one_half][one_half] papageienkuchen 7 [/one_half][/row_fluid]Das Rezept ist hier oder auch hier zu finden. Ich konnte mich allerdings nicht überwinden ganz so viel Zucker rein zu tun, sodass ich 1/3 weniger genommen habe.

Zutaten für ein kleines Blech:

  • 150 g Mehl
  • 1/2 Päckchen Backpulver
  • 150 g Margarine (Butter geht selbstverständlich auch), weich
  • 100 g Zucker
  • 2 Eier
  • 80 g saure Sahne
  • 1/2 Päckchen Vanillepudding
  • 1 gehäufter TL Kakao
  • 1/2 Päckchen Rote Grütze (am besten von Komet und zwar die mit Grieß- schmeckt so schön künstlich nach Himbeerbrausepulver-ich liebe es!)
  • 100 g Puderzucker
  • 2 EL Zitronensaft
  • Zuckerperlen zum Verzieren

Zubereitung:

  1. Mehl und Backpulver mischen. Margarine, Zucker, Eier und saure Sahne hinzugeben und rasch zu einem glatten Teig verrühren.
  2. Teig in drei gleiche Portionen teilen und zu einem Teil Vanillepudding, zum anderen Kakao und zum letzten Teil Rote Grütze hinzugeben.
  3. Teige patchworkartig in das mit Backpapier ausgelegte Blech geben und im vorheizten Ofen bei 175 Grad (Ober/Unterhitze) 30-40 Min. backen.
  4. Zitronensaft und Puderzucker zu einem Zuckerguss verrühren und auf den ausgekühlten Kuchen streichen. Eventuell mit Zuckerperlen verzieren.

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