Bittersüße Grapefruitmarmelade

2014/01/11

Man stelle sich vor. Eine schöner, frischer Januartag, blauer Himmel, die Sonne scheint hell. Es geht nur ein lauer Wind, sodass der Tag schon beinahe frühlingshaft anmutet. Auf einem kleinen, häuslichen Wochenmarkt bieten allerlei Händler ihre Waren feil. Selbstgemachtes, frisches Gemüse aus deren Gärten und leuchtendes Obst, wohin das Auge reicht. Riesige, pinke Grapefruits fangen die Blicke mit ihrer leuchtenden Schale schon von Weitem. Ein achtloses Vorbeigehen wäre unmöglich. Groß und rund, kann man unter der festen, ledrigen Schale schon eine bitterige Süße erahnen. Vorfreude!

So steckt man sich nun einige der festen, rosa Kugeln in das Einkaufskörbchen und sobald man zuhause ist, wird an einem schönen Nachmittag mit Muße Marmelade hergestellt. Was für ein perfekter Tag.

Grapefruit_Marmelade_1Und das ist die Realität. An einem verregneten, grauen Tag mitten in der Woche, 4.30 Uhr in der Früh. Die Nacht war kurz. Ein Wiedereinschlafen scheint unmöglich. Nachdem nun  1 1/2 Stunden rumwälzen und nachdenken als nutzlose Zeitverschwendung deklariert wurden, will man die Zeit einigermaßen produktiv verbringen. Da ist die Uhrzeit erstmal egal, die Wetterlage sowieso. Die Grapefruits, vor über einer Woche im schmuddeligen Großstadt Penny gekauft, ruhen traurig in der dunklen, viel zu kleinen Küche. Was liegt jetzt näher als eine Marmelade daraus zu kochen? Sicherlich einiges.

Dennoch werden bei einer Tasse starken Kaffees fleissig Grapefruits gepresst, geschält und geschnitten, während draussen der Regen gegen die dunkle Küchenfensterscheibe trommelt.

Grapefruit_Marmelade_2

Grapefruit-Marmelade-5Wie ihr seht würde ich euch gerne eine schönere Geschichte vom Marmeladenmachen erzählen. Von angenehmen Begebenheiten, von Körben voller Obst, von sonnigen Winternachmittagen. Stattdessen ist die Realität nicht immer so gnädig mit einem.

Zum Glück bleibt das Ergebnis trotzdem dasselbe. Eine köstliche und vor allem schnell gemachte Marmelade, die durch ihren bitter-süßen Geschmack und  ihre rosa-goldenen Nuancen punktet. Schön anzusehen ist sie nämlich auch! Mir schmeckt sie am besten auf Weißbrot bzw. süßem Brot. (Wo bleiben meine Scones?)

Zutaten:

  • 5 Grapefruits
  • 1 Zitrone
  • Gelierzucker (3:1 oder 2:1, wer es süßer mag)
  • 1 TL Vanilleextrakt oder das Mark einer halben Vanilleschote

Zubereitung:

  1. 3 Grapefruits und die Zitrone gründlich auspressen und den aufgefangenen Saft durch ein Sieb gießen
  2. Die übrigen 2 Grapefruits mit dem Messer schälen, sodass keine weißen Stellen mehr zu sehen sind. Dann in Filets schneiden und wiederum die weißen Häute entfernen. Anschließend die Filets grob würfeln und zu dem Saft geben.
  3. Alle Zutaten abmessen und dann Gelierzucker im Verhältnis 3:1 (für etwas herbere Marmelade) oder im Verhältnis 2:1 (für die Süßen unter euch) hinzugeben. Alles zusammen mit dem Vanillemark/-extrakt in einen großen Topf geben und unter ständigem Rühren sprudelnd aufkochen lassen.
  4. Nach 4 Minuten die Gelierprobe machen. Geliert die Marmelade kann sie in saubere, vorbereitete Gläser gefüllt werden. Wird sie noch nicht fest noch weitere 2-4 Minuten kochen. Wem alles zu flüssig erscheint, der kann noch 2-4 EL Gelierzucker nachlegen.

Grapefruit_Marmelade_3Wer Lust hat oder die Marmelade verschenken möchte, der kann sich gerne die selbstgemachten Etiketten hier downloaden und ausdrucken (es öffnet sich eine PDF-Datei)*.

Etiketten

* Die Etiketten bitte nur für eigene/nicht-komerzielle Zwecke verwenden. Danke! :)

10 comments

  • JenMun(a)

    hmmh, einfach nur hmmmh..und so schön geschrieben!

  • Julie

    ach du, auf das ergebnis kommt es an. und die guten gedanken, die man in die marmelade reinrührt. egal wie groß die küche ist und wie sehr die müdigkeit juckt. umso menschlicher ist der genuss :) feine etiketten!

    • kulinarithek

      Danke dir! War auch ein bisschen augenzwinkernd gemeint ;). Mein Freund hat mich allerdings ein wenig komisch angeguckt als er morgens dann endlich aufgestanden ist und 4 frisch gekochte Marmeladegläser und eine aufgekratzte Freundin vorgefunden hat :)

  • marion

    Das Rezept für die Marmelade hört sich sehr gut an.Vielen Dank! ich würde es gern ausprobieren und habe eine Frage. Wieviel von dem Gelierzucker nimmst du? Ich habe leider keine Erfahrung mit dem Einkochen.

    • kulinarithek

      Hallo Marion,
      ich nehme am liebsten Gelierzucker im Verhältnis 3:1. Sprich zu drei Teilen Obst, nehme ich 1 Teil Gelierzucker. Am besten ist es, wenn du das mit der Küchenwaage abwiegst.
      Konnte ich dir helfen?

      • Marion

        Hallo, vielen Dank für deine schnelle Antwort, mit der du mir sehr geholfen hast.
        Dann werde ich mich mal an die Arbeit machen!

  • Kleines, skandinavisches Müslibrot |

    […] mir mit Butter und/ oder mit Marmelade obendrauf (auf den Bilder habe ich meine jüngst gekochte Grapefruitmarmelade genommen), aber man kann es auch pur vorzüglich […]

  • Barbara Klaus

    Auf der Suche nach einem Rezept für eine Grapefruitmarmelade bin ich auf
    Deine wunderschöne Geschichte und das ansprechende Rezept gestoßen.
    Morgens um 4:30 Marmelade zu kochen ist auch mir nichts Neues.
    Eine kreative Beschäftigung, wenn der Schlaf ausbleibt. Ruhen dann die
    Köstlichkeiten im Glas lege ich mich auch wieder hin und schlummere zufrieden ein.
    Nun aber ab in die Küche und Deine köstliche Grapefruitmarmelade
    nachkochen.
    Vielen Dank!
    Barbara

  • Athanasius Katz

    Ein ganz wundervolles Rezept, herzlichen Dank. Meine Gläser haben soeben geploppt, so dass auch mit der Haltbarkeit in Ordnung gehen sollte. Ich mag in solchen Marmeladen sehr gerne Schale-Stückchen. Daher wandelte ich das Rezept ganz leicht ab: Schale von zwei unbehandelten Zitronen mit dem Sparschäler schälen, in 1mm breite Streifen schneiden und einfach von Anfang an mitkochen. Marmelade etwas länger kochen lassen, damit die Zitronenschale weicher wird. Und das nächste Mal probiere ich noch 200ml IPA als weitere Zutat aus.

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